Barriefreie Texte für Blogs gestalten

Bei Blog-Parade.de war ich auf der Suche nach einem interessanten Thema und war auf „Blocksatz oder linksbündig?“ von nullbude gestoßen. Zwar ist Juli schon ne Weile her aber das soll mich nicht davon abhalten meinen Senf dazu zu geben.

Bei der Betrachtung des Themas welche Textorientierung für eine Internetseite zu bevorzugen sei denkt man natürlich zuallererst an ästhetische Gründe. Dabei hat Blocksatz zumindest hier die Nase vorne. Egal in welcher Form der Literatur – Blocksatz macht optisch einfach eine Menge her.

Nun wäre ich aber keine Studentin der Rehabilitationswissenschaften wenn ich das Thema nicht auch auf die Nutzerfreundlichkeit für Menschen mit Behinderungen betrachten würde. Ein guter Anlass sich einmal Gedanken darüber zu machen was man beachten sollte, wenn man Blogbeiträge so gestalten möchte, dass sie für Menschen mit Sehbehinderung möglichst gut lesbar sein sollten.

Während meines Bachelorstudiums habe ich mich mit der Unterstützung des Umsetzungsdienstes unserer Uni mit der Umsetzung von Studienmaterialien in Großdruck beschäftigt. Dazu gab es auch einen Leitfaden den man meines Wissens auch beim DoBuS (Dortmunder Zentrum Behinderung und Studium) bestellen kann.

Man kann natürlich nichtmal eben sagen worauf man alles achten muss um barrierefreie Webseiten zu gestalten, aber einige Kleinigkeiten kann jeder ohne großen Aufwand beachten:

Schriftgröße

Viele Sehbehinderte und Blinde nutzen spezielle Hilfsmittel um das Internet nutzen zu können. Im Falle von Blinden sind das in der Regel Sprachausgaben und/oder Braille-Zeilen. Auch Sehbehinderte nutzen Sprachausgaben doch bei ihnen kommen zusätzlich auch noch Vergrößerungssoftware für den PC hinzu. Das kann man sich ein wenig so vorstellen als wenn man die bei Windows integriete Bildschirmlupe verwendet, nur das hier meist der ganze Bildschirm die Lupe ist und man das „Bild“ unter ihr bewegt.

Deswegen müssen Dinge wie Schriftgröße in digitaler Form nicht unbedingt beachtet werden. Will man jedoch auch Älteren (oder Menschen die sich keine Brille aufsetzen wollen) das Leben erleichtern empfiehlt es sich einen Schriftgrad von mindestens 14 am besten 16 Punkt zu wählen. Eine Schrift in dieser Größe wird auch von „Normalsichtigen“ als angenehm empfunden!

Überschriften

Zur besseren Orientierung im Text sollten Überschriften existieren und auch als solche Formatiert sein. In Blogbeiträgen geschieht dies eigentlich automatisch. So können sich Blinde mit Hilfe eines Screenreaders eine Übersicht über die Seite verschaffen und sich nicht gleich den ganzen Artikel anhören. Für Sehbehinderte sollte die Überschrift zudem vom restlichen Text abgehoben (z.B. größer) dargestellt werden.

Schrifttype

Bei der Schrift ist eine serifenlose Schrift zu bevorzugen. Serife meint z.B. kleine „Füßchen“ an Buchstaben wie man sie bei der Schrift Times New Roman findet. Bei unscharfer Sicht kann es hier zu Zeichenüberlappungen und damit einer schlechteren Lesbarkeit kommen. Serifenlose Schriften sind z.B. Helvetica, Arial und Verdana.

Versalienschrift oder CAPS!

Ebenfalls schlecht leserlich ist es nur in Großbuchstaben zu schreiben. Das empfinden für gewöhnlich alle Menschen so. Also wenn sollte man Großschrift nur für Überschriften einsetzen. Bei „normaler“ Schrift treten Mittel-, Ober- und Unterlängen klar hervor und schaffen Struktur. Ob die Beschwerde CAPS! die man gerne in WoW hört wenn man ausversehen die Feststelltaste gedrückt hat auch daher kommt?

Hervorhebungen

Unterstreichungen und kursiver text sollte vermieden werden. Wenn man etwas hervorheben möchte sollte man eine Fettgedruckte darstellung wählen.

Farbgebung

Bei der Farbgebung sollte man auf eine kontrastreiche darstellung achten. Kontrastreich wäre z.B. das klassische schwarz auf weiß. Teilweise empfiehlt sich gerade bei langen Texten sogar weiß auf schwarz. Farbliche Texthinterlegungen sollten nur in hellen ungesättigten Farben eingesetzt werden.

Textorientierung – Blocksatz oder Flattersatz?

Die entscheidende Frage die überhaupt erst zu diesem Beitrag geführt hat. Blocksatz erschwert die Orientierung innerhalb eines Textes unnötig. Sogenannter Flattersatz (linksbündig formatierter Text) erleichtert dagegen das Auffinden der Folgezeile. Der gezahnte rechte Rand gibt dem Text eine Struktur, die das Finden von Abschnitten schneller macht. Daher ist linksbündiger Text zu bevorzugen.

Auch wenn viele der genannten Formatierungsempfehlungen speziell an den Interessen von Menschen mit Sehbehinderung orientiert sind, erleichtern sie jedem Nutzer das Lesen eines Textes. Also auch wenn man sich nicht das hohe Ziel eines möglichst Barrierefreien Blogs gesetzt hat, tut man dem ein oder anderen Leser vielleicht einen Gefallen.

 

Literatur zum Thema:

DoBuS – Dortmunder Zentrum Behinderung und Studium (2007): Die Umsetzung von Studienmaterialien in Großdruck: Leitfaden für studentische Hilfskräfte.

Zeun, Ulrich (1995): Kriterien zur Umsetzung in einen sehbehindertengerechten Druck. In: Bundesarbeitsgemeinschaft zur Literaturbeschaffung für sehgeschädigte Studierende (Hg.): Situation Sehgeschädigter bei der Literaturbeschaffung im Studium. S. 66-78, Dortmund.

 

 

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